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Hanseaten Kaserne

Hanseaten-Kaserne

Während des 1. Weltkrieges war 1917 in Blankensee auf Weisung des königlich-preußischen Kriegsministeriums eine erste Militärfliegerstation errichtet worden. Ab 1934 wurde die Kasernenanlage zum Fliegerhorst Blankensee ausgebaut und ab 1939 durch die 1. Gruppe Kampfgeschwader 26 genutzt.

Nach Abzug der Bundeswehr 1993 ist die Kaserne weitestgehend erhalten geblieben. Sie beherbergt heute eine Ausbildungseinrichtung für Jugendliche aus Schleswig-Holstein. Der Flugplatz wurde erweitert und ist heute für Ryan Air ein Drehkreuz in der Nähe der Metropole Hamburg.

Kampfgeschwader 26 (LT) "Vestigium Leonis"

Bei Kriegsbeginn bestand das KG 26 aus dem Geschwaderstab, Standort Lüneburg, der I./KG 26 in Lübeck-Blankensee und der I I ./KG 26 in Lüneburg. Das Leitwort unter dem Löwenwappen .,Vestigium Leonis" (Die Fährte des Löwen) stammt vom ersten Kommandeur des K G 26, dem späteren Feldmarschall Dr. Ing. Freiherr von Richthofen.

Das Geschwader war ausgerüstet mit He 111H.

Ab September 1939 bis zum Westfeldzug im Mai 1940 war das Geschwader dem X. Fliegerkorps unterstellt und flog Angriffe im Nordseeraum und im Kanal gegen Schiffe. Im Westfeldzug flogen die Gruppen teils aus dem norwegischen Raum teils aus dem Westraum Angriffe gegen England und Frankreich.

Im Dezember 1941 verlegte die 1./KG 26 an die Ostfront und folgte der III./KG 26. Ab Februar 1942 wurden die Russlandgruppen aus dem Einsatz genommen, auf Soll-Stärke gebracht und nacheinander nach Grosseto (Italien) zum Lufttorpedo-Lehrgang verlegt.

Das KG 26 ist eines der wenigen Kampfgeschwader der Luftwaffe gewesen, das vom ersten bis zu m letzten Tag des Krieges als Kampfverband eingesetzt war. Es war das Torpedogeschwader der Luftwaffe. Sein Kampfgebiet erstreckte sich während des Krieges vom Nordmeer bis zum Roten Meer, von Gibraltar bis in die Weiten Russlands.

Die Zeit von 1945 bis 1960

Nach britischer Besetzung im Mai 1945 nutzte die Royal Air Force das Gelände u. a. auch als Flüchtlingsunterkunft. Während der sowjetischen Berlin-Blockade 1948/49 starteten von Blankensee viele Rosinenbomber zur Luftbrückenversorgung der Menschen im westlichen Sektor.

1951 machte der Bundesgrenzschutz Lübeck erneut zur Garnisonsstadt und bezog die Waldersee-Kaserne sowie die Kasernen St. Hubertus und Blankensee mit Kommandobehörden, mehreren Einheiten und Schulen.

Die Bundewehr folgte erst 1960 mit ihren ersten Verbänden: Dem Luftwaffen-Fernmelderegiment 37, der Luftraumbeobachtungsabteilung 343, der Luftwaffensanitätsstaffel II und der Reserve-Unteroffizier-Ausbildungskompanie Inf TV 532. Sowohl diese Truppenteile, als auch die Standortkommandantur und die Standortverwaltung Lübeck bezogen Kasernengebäude des ehemaligen Fliegerhorstes Blankensee.

Luftraumbeobachtungsabteilung 343

Am Nachmittag des 15.Februar 1960 traf ein Zug der 1./Luftraumbeobachtungsabteilung im Rahmen einer Übung in Lübeck-Blankensee ein und bezog Quartier im Block der Kaserne.

Die Lübecker Nachrichten brachten unter der Schlagzeile "Vorkommando der Bundeswehr gestern in Lübeck- Blankensee eingetroffen" am 16. Februar 1960 folgenden Artikel :

"Der Startschuss für die Rückkehr Lübecks in den Status einer Garnisonsstadt ist gefallen. Aus Goslar kommend, zog gestern Nachmittag eine Vorhut der Bundewehreinheit in die alten Kasernen des Vorortes Blankensee ein, die dort künftig stationiert bleiben soll. Es handelt sich um eine Baukompanie der Luftwaffe, die Pionierdienst leistet und also nicht über Flugzeuge verjüngt. Nach letzten Meldungen sollen von dieser Einheit etwa 700 Mann nach Lübeck kommen, von denen mit der Vorhut 60 unter der Führung eines Oberleulnants eintrafen. Diese Soldaten zeigten sich gestern überrascht, derart freundliche Zimmer auf einem durch Grünflächen aufgelockerten Gelände vorzufinden. Sie erklärten, dass die Unterkünfte in Blankensee besser als in Goslar seien ... "

Zunächst war man jedoch noch auf die enge Zusammenarbeit mit dem BGS angewiesen, wenn es beispielsweise um die Nutzung der Tankstelle (Dienstags und Donnerstags von 7.30 - 9.00 Uhr) oder der Sportanlagen ging. Den Wachdienst übernahm die Abteilung ab dem 1. März 1960 von einem zivilen Wachunternehmen durch Einsatz eines Schließerpostens. In der Chronik der Abteilung ist insbesondere die Anfangsphase in Blankensee sehr detailliert und liebevoll festgehalten. So liest man für den März des Jahres 1960:

" .. . Besprechungen folgten. So traf am 4. März Major Hagener vom WBK I. Infrastruktur in Lübeck-Blankensee ein. danach am 5. März Hptm Trebitz von der LRB 333 aus Goslar und am 11. März Oberst von Seeler vom Technischen Verbindungsstab Neumünster. Am 14. März folgte eine Besprechung mit Major Radloff vom alliieren Verbindungsstab für Schleswig-Holstein und mit Wehrbereichspastor Classen.

Am 18. März traf Major Deikert und zwei Hauptleule zwecks Besprechung über Fragen der Instandsetzung und Belegung des Fliegerhorstes ein. An der Besichtigung nahmen außerdem Hptm Trebitz von der LRB 333 und der Leiter der StOV Lübeck, RegInsp Bufeind und natürlich OLt Lapschies teil. Dabei wurde folgendes festgelegt: Der Stab der Abteilung wird bis zur Fertigstellung des Gebäudes 19 im Gebäude 10, dem SanBereich, mit untergebracht. Das Gebäude 2 sollte nach einer Desinfizierung den Einsatzzug aufnehmen. Am 2 2 . März traf RegInsp Hagemann zwecks einer Besprechung betreffs Truppenverwaltung ein.

Am folgenden Tage, dem 23. März kamen dann nach abgeschlossener Grundausbildung 93 weitere Soldaten in Blankensee an und wurden vorübergehend im Gebäude 2 untergebracht. Tausend kleine Dinge mussten in der Folgezeit beachtet und erledigt werden. u. a. am 29. März 1960 die Postabholung usw. Eine Besprechung jagte die andere ..."

 

Im April des Jahre 1 960 wurde der Ausbildungsbetrieb aufgenommen. Im gleichen Monat traf der erste Besuch ausländischer Seestreitkräfte in Lübeck ein und an den dazu stattfindenden Feierlichkeiten nahm auf besondere Einladu ng I [ptm Boje in seiner Eigenschaft als Standortältester teil. Im Mai nahm die Abteilung zum ersten Mal an einer Übung teil, an der Flugabwehrübung "Flick" und Major Beckmann übernahm die Leitung der Abteilung.

Anfang 1961 wurde die LRB-Abt. dem FmRgt 34 unterstellt. Im gleichen Jahr verlegte die erste Kompanie der Abteilung in den Endstandort Wesendorf. Dadurch wurde in Lübeck genügend Unterkunftsraum frei, so dass die 3./LRB-Abt. 34 aufgestellt werden konnte, deren erster Kompaniechef Hptm Nöthing wurde. Mit der Umgliederung des Regiments am I. Februar 1962 waren folgende Umbenennungen verbunden:

  • LRB-Abt. 343 in: IV./FmRgt 34
  • 1./LRB-Abt. 343 i n : 16. FmRgt 34
  • 2./LRB-Abt. 343 in: 17.FmRgt 34
  • 3./LRB-Abt. 343 in : 18.FmRgt 34
  • SanSttff der Abt. in : LwSanStfflV.fFmRgt 34

Vom 17. bis 27.Februar 1962 leistete die Abteilung Hilfe beim Katastropheneinsatz während der Sturmflut an der Westküste und in Hamburg und setzte dazu 150 Soldaten ein . Am 19. Dezember 1962 wurde die Abteilung der NATO unterstellt. Der feierliche Appell hierzu fand im Februar 1963 statt. Hierbei übergab GenMaj Walter, Kommandierender General der LwGrpN, die IV./FmRgt 34 zusammen mit der IV./FmRgt 33 an Air Marshall Sir John Grandy, Befehlshaber der 2. AT AF.

Im Rahmen der Umgliederung der LwGrpN und Aufstellung der 7. LwDiv wurden mit Wirkung vom 1. April 1964 im Bereich der Abteilung folgende Umbenennungen durchgeführt:

  • Stab IV./FmRgt 34 in : Stab II./FmRgt 3 7
  • 17. FmRgt 3 4 in : 6./FmRgt 37
  • 18. FmRgt 34 in : 7./FmRgt 37
  • LwSanstff IV .FmRgt 34 in: LsSanStff II./FmRgt 37

Die nach Wesendorf verlegte 16./FmRgt 34 selbst schied mit der Unterstellung unter I./34 aus dem Befehlsbereich der IV./FmRgt 34 (bzw. II./37) aus. Gleichzeitig wurde die noch aufzubauende 4./FmRgt II (RV) in 3./FmRgt 37 umbenannt und der II./FmRgt 37 unterstellt. Die gesamte Abteilung wurde im Verband des FmRgt 37 und der 7. LwDiv unterstellt und am 18. April 1963 vom Kommandeur der der 4. LwDiv, GenMaj v . Heinemann, aus seinem Kommandobereich entlassen.

Im Frühjahr 1964 wurden die ersten Offiziere zu Lehrgängen abkommandiert, die auf die zukünftige Verwendung der Abteilung hindeuteten. Sie nahmen teil an der Kartenerkundung für das Projekt "Tausendfüßler" zwecks Umrüstung des LRB-Dienstes in den Tiefflieger Radar-Dienst. Die folgenden Zeilen sind wieder wörtlich aus der Chronik übernommen da sich hier Parallelen zur Gegen wart zeigen:

"Im Juli (1964. Anm. d. Red. ) hielt sich BrigCen Cralka, Inspizient für Elektronik und Fernmeldewesen auf grund der bevorstehenden Umgliederung des LRB-Dienstes zwecks Personaleinsparung der Luftwaffe bei der ll./FmRgt 37 auf. Weitere Gespräche fanden in bezug auf die Umgliederung und der damit verbundenen Auflösung der 11./37 statt.

Mit dem Beginn des neuen Jahres 1965 war dann der letzte Monat der Existenz angebrochen. Das Offizierskorps der Abteilung veranstaltete am 22. Januar letztmalig den "Ball im Nleuen Jahr", der gleichzeitig als Abschiedsball für den Kommandeur der II./37, OTL Beckmann gedacht war

Eine Woche nach den Offizieren veranstaltete das Unteroffizierskorps der Abteilung den Abschiedsabend für die scheidenden Unteroffiziere. Mit Wirkung vom 1. Februar 1965 wurde dann die ll./FmRgt 37 aufgelöst und OTL Beckmann zum Bundeswehramt versetzt. Zurück blieb nur noch die in Krummenort aus dem Personal der II./FmRgt 37 neu aufgestellte 8./FmRgt 37 (RV mit LRB Zug) und die LwSanStff 1l/37. Die Unterstellung dieser Verbände erfolgte direkt unter Stab FmRgt 37. "

Fernmeldebataillon 771

Das Fernmeldebataillon 771 wurde am 1. April 1962 als Fernmeldebataillon des Wehrbereichskommandos 1. Kiel, in Bremerhaven, Rote-Sand Kaserne aufgestellt. Es war in der Reihe der Wehrbereichsfernmeldebataillone das einzige, das der Marine unterstellt war. Am 15. Juni 1962 verlegte das Femmeldebataillon 771 noch unter seinem ersten Kommandeur, Fregattenkapitän Jost, von Bremerhaven nach Hamburg-Wentorf in die Bose-Bergmann-Kaserne.

Im Oktober 1964 übernahm Fregattenkapitän Frank das Fernmeldebataillon 771 . Ein erneuter Umzug folgte für das Bataillon im November des Jahres. Es verlegte innerhalb Hamburg-Wentorfs in die Bismarck-Kaserne und schließlich am 2. Februar 1 965 nach Lübeck-Blankensee. Die Übernahme des Bataillons durch Fregattenkapitän Schirrmeister erfolgte am 1. Oktober 1968. Am 15.Januar 1970 war "endlich das Wanderleben des Bataillons beendet" und es verlegte nach Flensburg in die Grenzland-Kaserne.

Ein Jahr zuvor wurde das Bataillon in Fernmeldebataillon 620 umbenannt und dem Verteidigungsbezirkskommando 11, Flensburg unterstellt.

Panzerjägerkompanie 170

Seit dem 1. Oktober 1980 beherbergte die Hanseaten-Kaserne auch die Panzerjägerkompanie 170, die früher in Bad Segeberg ansässig war. Damit hielt auch ein neues Waffensystem Einzug: der Raketenjagdpanzer Jaguar, bestückt mit dem Panzerabwehrlenkflugkörper Hot. Oberst Dreetz, stellvertretender Brigadekommandeur der PzGrenBrig 17, dem die neue Kompanie direkt unterstellt war, übergab Hauptmann Boost als neuem Chef die Kompanie. Die "Lübecker Nachrichten" vom 3. Oktober 1 980 schrieben hierzu:

"Der Tradition zufolge, dass die 170er stets von einem Leutnant geführt worden seien, "degradierte" der Oberst Boost zunächst. Groß allerdings war beim neuen Kompaniechef die Freude wenige Minuten später, unerwartet nämlich beförderte Dreetz den früheren Hauptmann zum Major. Für die 170er übrigens hat die Bundeswehr eigens ein Wappen entwickelt, das eine Rakete, das Hanseatenkreuz für Lübeck, einen Wellenbalken für die Trave, das Panzerjägertraditionszeichen und einen Wolfskopf enthält. Das Zeichen wurde von Boost vor der Übernahme feierlich enthüllt..."

In der Folge zeichnete sich die Panzerjägerkompanie immer durch ein gutes Verhältnis zu den Panzergrenadieren aus, ohne dabei den eigenen Waffenstolz zu vernachlässigen.